Die Festplatte im Büro-PC ist voll, die Fotos der letzten Jahre liegen verteilt auf drei externen Platten, und wer im Homeoffice sitzt, kommt an keine davon heran. Ein Bucket in einer Object Storage Cloud schafft den Platz. Nur arbeitet kaum jemand gern über eine Weboberfläche, wenn er im Explorer genauso gut Laufwerk X: öffnen könnte.
Genau das erledigt rclone. Das kostenlose Kommandozeilenprogramm bindet einen S3-kompatiblen Speicher so ein, dass Windows 11 ihn als Netzlaufwerk anzeigt. Im Hintergrund bleibt es trotzdem Object Storage. Das merken Sie bei manchen Programmen, im Explorer und am Ende auf der Rechnung.
Was Sie vor dem Einbinden brauchen
rclone allein kann unter Windows kein Laufwerk erzeugen. Dafür installieren Sie zuerst WinFsp, einen freien Treiber für eigene Dateisysteme unter Windows. rclone nutzt ihn als Zwischenschicht.
rclone selbst laden Sie als ZIP-Archiv herunter und entpacken es in einen festen Ordner, zum Beispiel C:\rclone. Eine Installation im üblichen Sinn gibt es nicht.
Vom Speicheranbieter brauchen Sie drei Angaben: den Namen des Buckets, einen Access Key und den passenden Secret Key. Legen Sie dafür am besten einen eigenen Benutzer an, der nur diesen einen Bucket sehen darf. Seine Rechte können Sie später einschränken, ohne dass andere Anwendungen davon betroffen sind.
So binden Sie den Bucket Schritt für Schritt ein
- Öffnen Sie die Eingabeaufforderung, und zwar ohne Administratorrechte. Wechseln Sie mit
cd C:\rclonein den Ordner. - Starten Sie den Assistenten mit
rclone config. Mit „n“ legen Sie eine neue Verbindung an und geben ihr einen Namen, etwa „cloud“. Als Speichertyp wählen Sie „s3“, danach Ihren Anbieter aus der Liste. Anschließend tragen Sie Access Key und Secret Key ein. - Bei vielen Anbietern schlägt rclone Region und Endpunkt gleich mit vor. Wählen Sie die Region, in der Ihr Bucket liegt.
- Prüfen Sie die Verbindung mit
rclone lsd cloud:. Erscheint Ihr Bucket in der Liste, stimmen die Zugangsdaten. - Binden Sie den Bucket ein:
rclone mount cloud:mein-bucket X: --network-mode --vfs-cache-mode writes. Laufwerk X: taucht jetzt im Explorer auf. Solange das Fenster offen ist, bleibt es verbunden.
Auf die beiden Optionen am Ende des Befehls sollten Sie nicht verzichten. Ohne --network-mode meldet rclone das Laufwerk als gewöhnliche Festplatte an. Windows behandelt lokale Festplatten und Netzlaufwerke aber unterschiedlich und kann für Netzlaufwerke eigene Einstellungen anwenden, zum Beispiel Symbole statt Vorschaubildern bei Fotos und Videos.
--vfs-cache-mode writes legt einen Zwischenspeicher auf Ihrer lokalen Festplatte an. Ohne ihn lässt sich eine Datei nicht gleichzeitig zum Lesen und Schreiben öffnen, und viele Programme scheitern dann schon beim Speichern. Mit Cache landet eine geänderte Datei zuerst lokal und wird danach hochgeladen. Schlägt der Upload fehl, versucht rclone es in wachsenden Abständen erneut.
Laufwerk nach dem Neustart weg oder im Explorer unsichtbar?
Schließen Sie das Fenster, ist auch Laufwerk X: weg. Damit es bei jeder Anmeldung automatisch wieder verbunden wird, legen Sie in der Aufgabenplanung eine Aufgabe mit dem Trigger „Bei Anmeldung“ an und tragen rclone.exe samt Mount-Befehl als Aktion ein.
Läuft die Aufgabe unter einem anderen Konto, ergänzen Sie --config mit dem Pfad zu Ihrer Konfigurationsdatei. Sonst findet rclone die eingerichtete Verbindung nicht. Lassen Sie außerdem „Mit höchsten Privilegien ausführen“ ausgeschaltet, sonst geht es dem Laufwerk wie im nächsten Absatz beschrieben.
Fehlt das Laufwerk im Explorer, obwohl der Befehl ohne Fehler lief, haben Sie die Eingabeaufforderung vermutlich als Administrator geöffnet. Ein Laufwerk, das in einer Sitzung mit erhöhten Rechten eingebunden wurde, taucht in der normalen Sitzung nicht auf. Starten Sie den Mount deshalb immer aus einem Fenster ohne Administratorrechte.
Drei weitere Eigenheiten sorgen gern für Verwirrung:
- Lädt ein Kollege von einem anderen Rechner eine Datei hoch, sehen Sie sie unter Umständen erst nach fünf Minuten. So lange merkt sich rclone den Ordnerinhalt, einstellbar mit
--dir-cache-time. - Ein neu angelegter, leerer Ordner kann nach einer Weile wieder verschwinden. S3-Speicher kennt keine leeren Ordner. Ein Ordner bleibt erst dauerhaft bestehen, wenn eine Datei darin liegt.
- Der lokale Zwischenspeicher hat standardmäßig keine Obergrenze und behält Dateien eine Stunde nach dem letzten Zugriff. Wer eine kleine SSD hat, setzt mit
--vfs-cache-max-size 20Geine Grenze.

Die passende Speicherklasse für das Netzlaufwerk
Die Speicherklasse wird für jede Datei einzeln festgelegt. Ohne weitere Angabe landet alles in Standard, eine andere Klasse stellen Sie in rclone mit der Option storage_class ein. Davon hängt ab, wie schnell eine Datei nach dem Doppelklick da ist und was der Doppelklick kostet.
In der Klasse Standard ist eine Datei innerhalb von Millisekunden abrufbar, es gibt keine Mindestspeicherdauer und keine Gebühr für das Abrufen. Für ein Laufwerk, das Sie täglich öffnen, ist sie die richtige Wahl.
Bei Infrequent Access ist das gespeicherte Gigabyte günstiger. Dafür wird jedes gelesene Gigabyte als Abruf berechnet, und es gilt eine Mindestspeicherdauer von 30 Tagen. In einem Bucket ohne Versionierung zählt jedes Überschreiben als Löschen. Wer dort eine Inventurliste jede Woche neu speichert, zahlt für jede ersetzte Fassung die restlichen Tage bis zur 30-Tage-Grenze. Cold Archive eignet sich gar nicht für ein Laufwerk: Die Daten müssen erst wiederhergestellt werden, was Minuten bis Stunden dauert.
Welche Klasse welche Mindestspeicherdauer und welche Abrufgebühr hat, steht in der Klassenübersicht des Anbieters (https://www.ovhcloud.com/de/public-cloud/object-storage/classes/). Nicht jede Region bietet jede Klasse: In Frankfurt stehen Standard, High Performance und Infrequent Access zur Wahl, Cold Archive gibt es nur in Paris. Ältere Dateien müssen Sie nicht von Hand umziehen. Mit einer Lebenszyklusregel lassen sich Objekte nach einer festgelegten Zeit in eine günstigere Klasse verschieben, und der Wechsel selbst kostet nichts.
Wie oft der Explorer tatsächlich liest, messen Sie am besten selbst. Starten Sie den Mount einmal ohne --network-mode, dafür mit -vv --log-file C:\rclone\log.txt, öffnen Sie einen Ordner mit Fotos und sehen Sie im Protokoll nach, welche Dateien gelesen wurden. Wiederholen Sie das Ganze mit --network-mode und vergleichen Sie die beiden Protokolle. Liegt der Ordner in Infrequent Access, wird jedes dabei gelesene Gigabyte berechnet.
Wann das Cloud-Laufwerk die falsche Wahl ist
Für einen einzelnen PC, auf dem OneDrive ohnehin läuft, lohnt sich der Aufwand kaum. Dasselbe gilt für Dateien, an denen den ganzen Tag gearbeitet wird. Jede Änderung landet erst im Cache und geht dann als ganze Datei in die Cloud, auch wenn nur eine Zeile anders ist.
Ein dauerhaft verbundenes Laufwerk mit Schreibrechten ist außerdem für Ransomware ein Laufwerk wie jedes andere. Die Schadsoftware verschlüsselt alles, was der angemeldete Benutzer ändern darf. Archivierte Daten bleiben deshalb besser ohne Schreibrechte erreichbar. Für solche Ordner richten Sie einen zweiten Schlüssel ein, der nur lesen darf. Eine richtige Sicherung liegt ohnehin offline und getrennt vom übrigen Netz, das Netzlaufwerk ist nur ein zweiter Ablageort.
Was auf das Laufwerk gehört und was nicht:
- Gemeinsame Dokumente, die mehrere Rechner benötigen: ja, in der Klasse Standard.
- Foto- und Scan-Archive: ja, ältere Jahrgänge per Regel in Infrequent Access.
- Abgeschlossene Projekte: ja, über einen Schlüssel ohne Schreibrechte.
- Outlook-PST-Dateien, Datenbanken, virtuelle Maschinen und Git-Repositorys: nein, sie bleiben auf der lokalen Festplatte.
- Dateien, die alle paar Minuten gespeichert werden: nein.
- Die einzige Kopie wichtiger Daten: nein, dafür braucht es eine Sicherung.
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